7/09/2008

The art of filmmaking

Theoretiker verausgaben sich, um Filmästhetiken zu begreifen, wenn sie den Konstruktionsprinzipien eines Films folgen. Die Werkberichte von Regisseuren reichen oft, um ihren Erfolg/Misserfolg zu verstehen. Das Machen von Filmen folgt keiner ästhetischen Programmierung, sondern eher einem Kochbuch. Nimm bestimmte Ingredienzien und der Film sollte funktionieren. Inhalt, Plot, Sinn, Bedeutung und Wahrheit sind auch nur Ingredienzien des Films. Tarantino sagt zu "Reservoir Dogs": Ich hätte diese Schauspieler auch mit weißen T-Shirts vor einer weißen Wand spielen lassen können. Es wäre großartig geworden, weil es großartige Schauspieler sind. Das klingt einfacher, als es ist. Denn es gibt Flops, die fantastisch besetzt sind. Stimmt der Kontext der Schauspieler nicht, wird die Regie weißer T-Shirts längst keine formidablen Ergebnisse zeitigen. Das Rezept ist gut, doch nicht der Koch, sondern sein Gast entscheidet. Also bleibt die Kunst ein Geheimnis, so luzide sie sich auch geriert.

7/06/2008

Demokratieverdrossenheit Politikverdrossenheit Anne Will 6.Juli 2008

Wenn Politiker über Politikverdrossenheit reden,bestätigen sie den Befund performativ. Es ist analytisch nicht einmal notdürftig, den Glauben an demokratische Politik hoch zu halten und dann jede Erklärung schuldig zu bleiben, warum demokratische Politik Aktzeptanzverluste erlebt. Es ist einfach zu erklären, dass Bürger Lust auf Politik verlieren, wenn die Regelbarkeit der Verhältnisse so unwahrscheinlich erscheint und gerade Parteienzwist zur Selbstverwaltung verkommt. Spaß an Politik entwickeln vermutlich gerade jene, die ihre Pfründe dem Glauben an die Ratio des Politischen verdienen. Es ist zu viel verlangt, dass wir ihren Glauben deshalb schon teilen sollten. Politik wäre allein dann glaubwürdig, wenn ihre Prätention, die Verhältnisse zu verändern, sichtbar wäre. Beschwörungen führen da nicht weiter. So wenig wie diese Talkshow vom heutigen Tage.

Dazu mein "Klassiker" >> Journalismus und Mediendämmerung >>

Ferner auch: Die Banalität der Guten
Goedart Palm 20.09.2009

Politik in den Zeiten von Pest und Cholera

7/05/2008

Hitler in effigie

Heute hat einer dem Wachs-Hitler den Kopf abgerissen. So ist es meistens, ein wohl stammesgeschichtlicher Gestus, wenigstens das Bild eines Feindes zu vernichten. Bildersturm ist ein Atavismus. Bildmanipulationen sind Derivate dieses Bildersturms. Die Medien müssen auch das nachvollziehen, was zuvor nicht erfolgreich war. Medienzuständigkeiten, die klar machen, dass nicht lediglich avancierte Funktionen zu avancierter Technik gehören. Also kann man Kubricks berühmten Matchcut auch umdrehen, plötzlich haben wir wieder einen Knochen in der Hand, freilich mit password-Funktion.

Weimar, Goethe, Schiller und die Authentizität des Nippes

Wanderer kommst Du nach Weimar, begegnen Sie Dir überall. Goethe und Schiller als Klein- und Großplastik, aus Porzellan und jedem erdenklichen Material. Klassisch kann auch der Nippes sein. Klassik schützt vor Kitsch nicht. Die Häuser der beiden Großdichter erscheinen mir wenig authentisch. Danach hing das Antlitz Schillers über dem Bett seiner Frau. Seine Wohnung wäre der narzisstische Overkill gewesen. Hier wurden offenbar eifrig nachinstalliert. Es gibt nur eine Aussage: Hier ist der Dichter gewesen, hier ist er anwesend. Die Geschichte guckt dich an. Diese Prätention funktioniert nicht, weil der Aufenthalt der beiden Nationaldichter fetischisiert wurde, ohne dass die Fetische besonders sprechend wären. Mit einem Wort: Man muss sie lesen. Aber wer tut das schon noch, wenn die flüchtige Vitrinenkultur so viel schneller zu goutieren ist?

7/01/2008

Cybermobbing und andere Formen virtueller Höllen

Cybermobbing ist also jetzt in Missouri ein Straftatbestand. Mindestens so dringlich wären aber Initiativen, die Medienkompetenz von Netznutzern - und morgen schon sind das alle - so aufzurüsten, dass zahlreiche Formen des Cybermobbing sich selbst desavouieren. Also geht es wieder um die Differenz von Wahrheit und Lüge, die um einen dritten Wert zu ergänzen wäre: die Bedeutungslosigkeit vieler Aussagen im Sinne einer referenzlosen Boshaftigkeit, gegen die neue Weisen der Nichtbeachtung helfen werden. Noch sind wir zu sehr im klassischen Wahrheitsdiskurs befangen: Stimmt das, was jener sagt? Suspendieren wir diese Frage, so müsste es anders lauten: Das Gerücht ist zu arm, als dass ich ihm vertraute. Doch an dieser Stelle einer aufgeklärten Nichtbeachtung sind wir längst nicht angekommen.

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