1/05/2010

Michael Sandel et alii

Die Gerechtigkeitsaporetiker erzählen Geschichten, die in ihrer Verwickeltheit keine echte Lösung erwarten lassen. Der moralische Diskurs ist einer der Erschöpfung. In irgendeinem Online-Artikel wird die Frage behandelt, ob man gegen seinen Bruder aussagen soll, wenn der einen Menschen getötet hat. Es gibt kein Prinzip der Welt, das hier aus der Aporie herausführt. Sehr wohl gibt es aber Kriterien, die in einer schwer durchschaubaren moralischen Melange schwimmen und die mindestens ausreichen, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Welches Verhältnis hat der moralisch "Versuchte" zu seinem Bruder? Welcher Mensch wurde getötet? Welche Vorgeschichten zu diesem Ereignis gibt es? Klar ist in diesem Regress der Fragen, dass eine Entscheidung zustandekommt, die bedingt rekonstruierbar ist. Aber man verschone uns mit moralischen Letztbegründungen, die hier kontextfrei oder kasuistisch prinzipiell daherkommen. Moral ist eine genauso unsaubere Sache wie die Taten, über die sie glaubt urteilen zu können.

Goedart Palm

1/04/2010

Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit

Das war keiner Theorie der Öffentlichkeit geläufig: Jeder darf ungehindert reden, so viel er/sie will und diese Freiheit demontiert als unendliche Ressource gewährt die öffentliche Meinung, ja mehr die Meinungsfreiheit selbst. Stell´ Dir vor, alle reden und keiner hört mehr zu. Unser Stichwort: Die Meinungsfreiheit durch die Vielzahl der Meinungen liquidieren.

Goedart Palm

Eine westöstliche Geschichte des Blicks

Diese Geschichte unterstellt die Möglichkeit des Zusammenschreibens von divergenten Positionen. "Westöstlich"? Prätendiert das nicht eine dritte Geschichte des Blicks, gleichsam des "Überblicks", die dann nach ihrer eigenen Position befragt werden muss. Wie also ist eine Geschichte der Perspektive von Perspektive versus Lichtstrahlen überhaupt möglich? Im Grunde könnte die Antwort auf Hans Beltings Geschichte nur eine östlichwestliche Geschichte des Blicks sein, wenn nicht der Verdacht aufkäme, dass bereits diese Metaperspektive eine typisch westliche Beobachterposition ist. Insofern ist die Geschichte der Perspektive also längst nicht zuende geschrieben, so wenig die Perspektive als Erklärung ausreicht, jedes Medium mit einem Monitor in eine Blickachse mit der italienischen Renaissance zu stellen...demnächst mehr.

Goedart Palm

1/01/2010

Ai Wei Wei

Ob Ai Wei Wei ein wichtiger Künstler ist, ist nicht die Frage, weil er gerade als Künstler wichtig werden kann. Die Brisanz liegt hier in einer Kunst, die sowohl autonom wie politisch ist, was dem hiesigen Verständnis von Autonomie zuwider läuft. In China kann der Künstler Aussagen machen, die er als politischer Aktivist nicht treffen könnte. Das liegt an den überschießenden Bedeutungen künstlerischer Aussagen, ohne dass hierin bereits die Meinungsfreiheit endgültig sichergestellt wäre. Denn jede Herrschaft ist gegenüber der Kunst misstrauisch, jeder Zensor übt sich in Bedeutungsanalysen und die Gefahr ist groß, dass er mit der Zeit lernt.

Goedart Palm

anlässlich der Ai Wei Wei Ausstellung in München Januar 2010

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