1/12/2010

Bildtheorien - Ikonologien - W. J. T. Mitchell und andere

Die mir bekannten Bildtheorien kranken allesamt daran, dass Aussagen über Bilder ohne ihren jeweiligen Kontext besonders vage bleiben müssen. Das ist im Prinzip der Bildwissenschaft zwar bekannt, doch wie sollen solche Kontexte beachtet werden, ohne aus einer Bildtheorie eine Soziologie oder Philosophie des Bildes und mehr zu machen. "Ein und dasselbe Bild" kann höchst unterschiedliche Bedeutungen, Funktionen und Wirkungen haben, je nachdem, wie dieses Bild oder seine Reproduktionen eingesetzt werden. Die destillierten Bildwirkungen sind eine Ausnahme. Wir erleben Bilder in Zusammenhängen, die wie elektronische oder algorithmische Schaltungen funktionieren, ohne dass je eine Bildtheorie hinreichende Erklärungsmuster dafür hätte finden können. Allein die Frage, was ein Bild will, ist so unspezifisch, weil hier nicht einmal die relative Konsistenz einer Person vorliegt. Wer wie W. J. T. Mitchell Bilder und Lebewesen vergleicht, hat zwar Gelegenheit zu originellen Erkenntnissen, aber eine Theorie, die Bildwirkungen tendenziell zuverlässig angeben kann, wird daraus nicht. Im Grunde ist das je Bildern inhärent: Ein "Kreuz" kann so viele Bedeutungen haben, wie gesellschaftliche Kontexte angegeben werden können. Bildtheorien sind eine Prätention, so wenig wir auf sie verzichten wollen.

Goedart Palm

1/10/2010

Kater Murr und das "Sehen" lernen

"O das Sehen! es ist eine wunderbare herrliche Gewohnheit, eine Gewohnheit, ohne die es sehr schwer werden würde, überhaupt in der Welt zu bestehen! – Glücklich diejenigen Hochbegabten, denen es so leicht wird als mir, sich das Sehen anzueignen."

So weit Kater Murr, beim Lesen des neuen Buchs von Hans Belting (Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks) wird mir eindrücklich klar, dass wir "Sehen" gelernt haben, geringe Chancen, zweifelhafte Gewohnheiten zu verlernen und neue Sehweisen einzuüben.

Goedart Palm

Chaos, Störungen und andere Missliebigkeiten

Der Musiker Dieter Meier von der Gruppe "Yello" bezeichnet sich als "Chaos-Experte": "Ich lebe in einer Form von Chaos und Anarchie - nicht im Bombenleger-Sinn des Wortes natürlich. Aber ich bin wie ein chinesischer Tellerjongleur, der immer wieder an den Stäben rüttelt, um viele Dinge gleichzeitig auf der Umlaufbahn zu halten." (Spiegel-Online, 10.10.2009). Diese Aussage beraubt das Chaos seines Wesens. Chaos ist nicht unter dem Paradigma der Ordnung zu begreifen, sondern aus seiner ungebändigten Eigenlogik. In nuce lässt sich sagen, dass Chaos als Weltkonstruktionsprinzip unentbehrlich ist, weil es menschlicher Planungssicherheit spottet. Die alltäglichen Perspektiven, die auf Entsorgung des jeweiligen Übels drängen, verfehlen die Kraft dieses Prinzips. Reflektiert man dieses Prinzip im Blick auf die Ontogenese werden Typen wahrscheinlich, die das Chaos in sich tragen. Just davon sprach weiland Friedrich Nietzsche, allerdings mit etwas zuviel Ausnahme-Pathos. Genereller formuliert wird Chaos zu einem jedem Ordnungsprinzip ebenbürtigen Gegenspieler.

1/09/2010

Hommage an den Ruhrpott und andere Hilflosigkeiten

Gestern am 08.01.2009 scheiterte das ZDF kläglích bei dem Versuch, das Wesen des Ruhrgebiets zu fassen. Da wurde hilflos über alte Kochrezepte palavert, irgendwelche Figuren zur Zukunft der Region befragt, die allesamt die erfolgreiche Zukunft beschworen. Arm, arm, ärmer. Offensichtlich gab es eine Mentalität, die aber nicht zu fixieren war, es waren Zeiten und Menschen, die nicht mehr rekonstruiert werden konnten. Stattdessen wollte man Entertainment und Soziologie für Eilige fusionieren, um daraus eine plausibles Gebräu zu destillieren. Herausgekommen ist nur ein hilfloser Beschwörungsdiskurs für Anspruchslose. Das hat der Ruhrpott nicht verdient. Weiß Gott gibt es anderes zu berichten als ein Pannasrezept für den Zeitgenossen. Mir wäre da mehr eingefallen, mich hat aber keiner gefragt. Es gibt auch eine Kulturaustreibung, die gut meinende Ignoranten verschulden, die keiner zur Rechenschaft zieht.

Goedart Palm

1/07/2010

Bonner Prioritäten und Festspielhaus Beethoven

Auch wenn diese Dinge nicht wie kommunizierende Röhren wirken: Noch vor der Option für das Festspielhaus würde ich pünktliche Buslinien bevorzugen. Bestimmte Linien wie 608 und 609 scheinen beliebig zu erscheinen, unzuverlässiger als ein gereizter Flaschengeist. Der SWB-Fahrplan erscheint dann wie eine reine Prätention, ja mehr wie Vermessenheit, über den selbst produzierten Zufall regieren zu wollen. Es macht keinen Spaß, in der Kälte zu sehen, wie ein Bus ganz ausfällt und der nächste sich verspätet. Das ist auch ein Index für Kultur, wenn auch nicht in diesem highbrow-Sinn, der uns Musenhäuser bauen lässt. Ohnehin fallen mir zu Bonn einige Dutzend Themen ein, die demonstrieren, dass Probleme ignoriert und prolongiert werden, obwohl Lösungen nicht utopische Horizonte streifen, sondern eine kleine Dosis Verantwortung mehr schon Berge versetzen würde.

Goedart Palm

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