Nicht selten bekomme ich Einladungen zu irgendwelchen internationalen Konferenzen zum Thema "Medienethik". Es ist bei der Vielzahl solcher Veranstaltungen nicht ersichtlich, hier je einen anderen Gehalt zu erwarten als den, dass es nichts zu sagen gibt, was nicht längst gesagt worden wäre. Es ist stark zu vermuten, dass es keine medienethischen Sätze gibt, die als genuine Erkenntnis über das hinausgehen, was ohnehin ethisch formuliert werden kann. Und im Übrigen beschleicht mich - nicht nur hier - das Gefühl: Theorie, die nicht zur Praxis taugt, hat keinen Anspruch, sich Theorie zu nennen.
2/19/2013
Heino
Für den Deutsch-Unterricht schlage ich das Thema vor: "Erläutere die ästhetischen, semantischen (und meinetwegen auch "weltanschaulichen") Unterschiede zwischen Heino und Till Lindemann heraus...Womöglich sind die geringer, als es einige Fans je zu glauben wagten.
Goedart Palm
Wissenschaft im Tiefflug
Wissenschaft auf dieser Ebene ist nicht zum wenigsten nachlässige bis eitle Kleingartenbestellung. Ein längst durch den Rost der Kunstgeschichte gefallenes "Genie" wird reanimiert. Ein unentdeckter Paragraf wird dogmatisch bis zur Unerkennbarkeit aufgeblasen. Ein chemisches Experiment, das die Menschheit noch dringend zur Fortexistenz benötigte, wird in die Fußnoten der wuchernden Literatur gespült. Ähnlich wie bei der Verlagspolitik sind "Bestseller", die echten Erkenntnisfortschritt fördern, Mangelware. Hierfür ist unter anderem der Wissenschaftsbetrieb selbst verantwortlich, der "Originalköpfe" nicht zwingend schätzt, sondern sich auch in seinen Egoismen selbstreproduziert, etwa in Form von Doktorvätern und -müttern, die die "Großleistungen" ihrer Promovenden ihrem Ressort einverleiben, ohne dass ihnen der Blick über den Tellerrand angelegen wäre. Fast erstaunlich, dass die Wissenschaft, von einigen Pseudodisziplinen abgesehen, trotz ihrer institutionellen Hindernisse produktiv bleibt...
Goedart Palm
Dschungelcamp - Revisited
Nun ist das Dschungelcamp wie jede triviale Kultur- oder Unkulturform in einem breiteren Interpretationszusammenhang durchaus interessant. Es gibt seit je die produktive Rezeption von trivialen oder kulturindustriellen Formen, die zum Material werden, überformt oder konterkariert werden können, mithin zahlreichen Gestaltungsprozessen unterworfen werden. Das nobilitiert nicht diese Versatzstücke, macht aber sofort klar, dass sie nicht a priori verworfen werden müssen, sondern sich mitunter mehr oder weniger interessante Gehalte herausfiltern lassen. Zwar zielt die Grimme-Nominierung auf anderes, wenn denn überhaupt auf irgendetwas jenseits des Spektakels. Aber in einer kontextuellen Betrachtung mag man "Trash" als eine zweite oder dritte Natur ansehen, die zumindest vor Zeiten eine prätentiöse Kulturkritik speiste, die nicht müde wurde, auf das falsche Bewusstsein und seine fatalen Folgen hinzuweisen. Künstlerische Produktivität bestünde dann darin, sich nicht verrückt machen zu lassen, sondern darauf originell zu reagieren, ohne lediglich über psychohygienisch nachfühlbare Absetzbewegungen nachzudenken. Die Menschen sind nicht ganz so dumm, wie man sie vielleicht machen möchte...
Goedart Palm
Goedart Palm
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