8/03/2015

Kunst, notleidend

Die Kunst teilt mit der Philosophie ein ähnliches Schicksal, dass hier vielfältige konkurrierende Formen der Gestaltung und Kommunikation und dort zahlreiche Einzelwissenschaften Legitimationsprobleme enorm verschärft haben. Der gegenwärtige Befund mag nur noch einen Grabgesang eröffnen. Die Kunst hat das fröhliche Spiel mit den Kontingenzen sehr weit getrieben, um darin eine angeblich unabdingbare Freiheit zu artikulieren, die sich den zweckrationalen Momenten anderer Formen gesellschaftlicher Praxis versagt. Künstler insistieren schon deshalb auf dieser fragilen Freiheit, die vorgeblich keinen anderen Ort besitzt, weil sie anderenfalls ihre eigene Rolle riskieren - auch wenn die vor allem von Illusionen lebt. Dass dabei Werke entstehen, die auch gut anderen Subsystemen (wie etwa dem der Wissenschaft) zugeschlagen werden können oder aber den Kult der Beliebigkeit so redundant wie folgenlos feiern, darf im Betrieb eher niemand wahrnehmen. Der Betrieb hat die Sinnkrise kommerziell verdrängt und präsentiert Waren, die so beliebig, wie sie entstanden sind, auch als Kunstwerke gelten dürfen (Vgl. Arthur C. Danto). Who the hell cares? Kunst ist immer so notwendig wie der gesellschaftliche Einfluss, den sie ausübt. Und der ist so hoch, dass viele Künstler ernsthaft einen Zunftwechsel in Erwägung ziehen sollten.

Goedart Palm

7/31/2015

Beltracchi und Platon

Beltracchis Motive sind fraglos zweifelhafter Natur. Aber zumindest jener Betrieb, der vorrangig aus kommerziellen Gründen auf der Differenzierung von Original und Kopie insistiert, ist der Intention dieses Fälschers untergründig verbunden. Das Dilemma, das mit Beltracchis schnöden Wirken angezeigt wird, liegt im - zu oft aus kunstfremden Gründen gefeierten - Kult des Originals, der längst durch die immer bessere Reproduzierbarkeit von Werken in Mitleidenschaft gezogen wurde. Platon hätte auf die diversen Formen der Entauratisierung der Kunst aus guten wie aus schlechten Gründen wohl nur die Kritik übrig gehabt, schon je vor der Kunst gewarnt zu haben.


Goedart Palm

7/06/2015

Zum Wesen der Kunst

Kunst ist es wesentlich dadurch, kein Wesen zu reklamieren und so funktionale Kategorien und gesellschaftliche Zuweisungen unterlaufen und transzendieren zu können. Das mag - terminologisch angreifbar - als Autonomie bezeichnet werden. Bedienen sich Künstler wissenschaftlicher Prozeduren, bestehen diverse Risiken, die künstlerische Rolle zu verlieren. Einerseits kann es zum Rollentausch kommen, wenn der Künstler gesellschaftlich etwa als Natur- oder Sozialwissenschaftler wahrgenommen wird. Andererseits kann privatistische Wissenschaft von Künstlern esoterisch hinter gesellschaftliche Niveaus zurückfallen und den ("hegelianischen") Verdacht begründen, den erreichten Standard des "Weltgeistes" zu verfehlen. Die eigentliche künstlerische Leistung besteht hier zum ehesten darin, erfolgreich die Zuständigkeit der Nichtzuständigkeit zu behaupten, wenn anerkannte Paradigmen oder funktionale Sicherheiten des hehren Wissenschaftsbetriebs tatsächlich irritiert werden. Dabei kann es Künstlern, die die von Paul Feyerabend verkündete These der innigen Verwandtschaft von Kunst und Wissenschaft wirklich begreifen, gelingen, nicht als jene Clowns zu enden, die - wie m.E. nicht wenige - folgenlos beide Welterschließungsweisen zu amalgamieren versuchen.  

Goedart Palm 

Kunst und Kunstkritik

Dass die Kunstkritik keine mehr im alten Sinne sein kann, ist wesentlich dem Umstand zu verdanken, dass die Künstler gelernt haben, die Kritik inzwischen gleich mitzubesorgen. Marcel Duchamps Readymades sind Kritik am Kunstsystem mit der durchaus von ihm einkalkulierten paradoxen Konsequenz, nach kurzer Zeit in dieses System erfolgreich eingebunden zu werden. Die Dadaisten, Futuristen, Surrealisten etc. artikulierten Kritik durch ihre Kunst und erlitten oder erhofften dasselbe Schicksal, in das Pantheon aufgenommen zu werden. Dass die externe Kritik die Kunst verbindlich kategorisiert oder reflektiert, ist eine Idee, die in der Moderne der Avantgarde abhanden kommen musste, weil sich der Kunstbegriff als Allgemein- oder Gattungsbegriff aufgelöst hat. Wenn Stile, Werke, Kontexte etc. nicht mehr "kommensurabel" sind, riskieren kritische oder gar normative Kunstdiskurse, unter Sinnlosigkeitsverdacht gestellt zu werden.   

Goedart Palm

Autonomie und Auftragskunst

Totale Autonomie war immer eine Fiktion! Es gibt aber höchst unterschiedliche Verkoppelungen von Kunst und Kommerz, die daraufhin zu befragen wären, ob Künstler längst keine Kunst mehr machen (wollen), sondern zynische Verkäufer des Markenzeichens "Kunst" für Werke sind, die vorrangig kommerziellen Zielen dienen. Dem stehen Künstler entgegen, die ihre Kunst trotz aller äußeren und inneren Zwänge in relativer Autonomie verfolgen. Ob nun mittelalterliche Auftragskünstler oder moderne Künstler mit Geschäftssinn betrachtet werden, ändert wenig daran, dass die Autonomie immer darin bestand, sich die eigenen Formansprüche nicht abkaufen zu lassen, ohne deshalb ökonomisch erfolglos sein zu müssen. Das ist freilich für jene schwer zu verkraften, die ihre Ressentiments gegenüber fremdem Erfolg anders nicht zu erklären vermögen als in dem Glauben, dass nur der Pakt mit dem Teufel dafür ursächlich sein kann. Was Philosophen als Einsicht in die Notwendigkeit bezeichnet haben, könnte für Künstler bedeuten, subversiv mit fremder Vereinnahmung und gesellschaftlichen Widerständen umzugehen. Vorgebliche Freiheitsverluste bis hin zur Zensur könnten so zu Anlässen werden, die eigene gesellschaftliche Rolle genauer und spannungsreicher zu definieren, als es der wenig sagende Blankettbegriff "Freiheit" vermag. 

Goedart Palm

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