3/31/2010

Forbidden Planet - Alarm im Weltall

Dieser frühe Sciencefiction-Film von 1956 ist bedingt genießbar. Zwar ist es eine "Sturm"-Adaption, doch die Figuren werden dadurch augenscheinlich nicht von ihrem Statistendasein befreit. Der Film leitet, soweit sein Verdienst, einige SF-Motive ein, die später kräftig exploitiert werden, es gibt Sphärenmusik bis hin zum Sound von quietschenden Türen, die unsere galaktischsten Ahnungen treffen und übertreffen sollen. Allerdings ist die Musik der Geisterbahn nicht weit entfernt davon. Die Artifizialität des Planeten "Altair 4" ist faszinierend und lächerlich zugleich. "Robby", der Roboter erscheint als Michelin-Männchen mit Blechringen und lässt Technik grotesk werden. Vielleicht brauchen wir gerade diesen Modus, um Technik auszuhalten. Sicher nicht mehr brauchen wir das technoide Gerede, diese Welt aus "Nixomaten" und unglaubliche Ausblicke auf vormalige Zivilisationen, die sich auf das Erstaunen bescheiden und kulturmorphologisch vom Schauer kitzelnden Untergang handeln.

Goedart Palm

3/29/2010

Rettet die Eisdielen! - Zum Schicksal der Beethovenhalle - Update

Die Diskussionen um das neue Bonner Festspielhaus sind vielleicht nicht weniger denkmalwürdig als die alten und neuen Sehnsuchtsobjekte. Großdiskussionen dieser Art sind wundervolle Gelegenheiten, den eigenen Standpunkt zu nobilitieren, so wenig es ein Standpunkt und schon gar nicht ein eigener sein muss. Sag mir, wie du zu dem Bonner Festspielhaus stehst und ich sag´ dir, wer du bist. Nun könnte man dieses Festspielhaus bauen oder nicht, Musik hören oder es lassen, aber das wäre nicht einmal der halbe Spaß. Das längst nicht errichtete Festspielhaus Beethoven ist ein selbstreferentieller Diskurs, in dem es eher peripher - was für Repräsentationsarchitektur ja eher eine seltsame Position ist - auch um Architektur, Akustik und vielleicht diesen oder jenen Kulturbegriff geht. Das „Jahrhundertprojekt“ ist die Diskussion selbst.

Gegenwärtig geht es um die aporetische Fundamentalfrage des Denkmalschutzes, die auf ewig unentschieden lässt, ob Baron Haussmann nun ein Demoliteur oder ein Wohltäter der Menschheit war. Die „Beethovenhalle“ von Siegfried Wolske darf nicht sterben. Nun erkennen wir oder lassen uns das sagen, dass es sich um ein historisch aufgeladenes Gebäude handelt, in dem sich honorige, unvergessliche Großtaten der jungen Bundesrepublik ereignet haben. Der FAZ-Laudator Michael Gassmann ergeht sich in diesem Lob der alten Halle, in deren Mauern „ein halbes Jahrhundert städtischer Musikkultur“ stecke, was dann historisch erschauern lassen mag, aber längst kein Ausweis gegenwärtiger Bedeutung ist. Kurt Masur sieht Musikkultur hier eher gefährdet: "Die Neunte hier ist eine Verlegenheitslösung." (GA vom 29.03.2010) Entscheidender noch ist aber seine Feststellung zu der bestehenden Halle: "Die Halle ist so wie sie ist, sie ist nicht verbesserbar." Das ist vernichtend. Denn im Klartext heißt das, dass nicht die Erhaltung oder der Abriss das eigentliche Problem sind, sondern allein die Frage, wie man in Bonn überhaupt Beethoven aufführen kann. Gegenwärtig - so die conclusio - hat Beethoven in Bonn zumindest keinen musikalischen Standort.

Und jetzt mal ehrlich: Kein Bonner sieht dieses angenehm konturlose Nachkriegsobjekt mit seiner sanften Sahnekloß-Ästhetik noch als emphatische Bereicherung des Rheinpanoramas. Ist das dem schnöden Alltags-Blick geschuldet? „Die Beethovenhalle prägt die Rheinsilhouette der Stadt und fügt sich zugleich in sie ein. Die sanft schwingende Kuppel ist markant, ohne aufdringlich zu sein. Weit öffnen sich die rheinseits gelegenen Räume zum Fluss. Ihre wasserblaue Kachelung ist ein munterer Gruß an den Strom.“ (Gassmann) Der Strom freilich, der schnöde, grüßt eher nicht zurück, weil er sich nicht für Farbigkeit, sondern dumpfes Grau entschieden hat. Gassmann schöpft hier wenigstens im Text die Architektur nach, das klingt poetisch und man reibt sich die Augen. So - wenigstens semantisch - schön ist also die Bonner Ansicht, alle Witze über unbewegliche Bahnschranken, rheinische Dösigkeit und schlechtes Wetter Kolportage und wir, wir Ignoranten, haben es nicht gesehen. Markant sind diese Formen nicht. Die Halle zeichnet sich durch eine Unbestimmtheit aus, der zugute zu halten sein mag, dass diese Formenwelt fernab von Herrschaftsarchitektur steht. Doch reicht das aus? Das assoziative Namedropping "Scharoun" zum Beleg der architektonischen Organizität der Halle rettet es nicht, vor allem deshalb nicht, weil dessen Bauten sehr viel dynamischer und mutiger sind als die Beethovenhalle.

Es gibt Eisdielen aus diesen Tagen, die ästhetisch keinen anderen Regeln folgen als Wolskes Architektur. Auch die waren in irgendeinem Sinne schön, ohne dass wir sie dauerhaft hätten konservieren wollen. Das Eis schmeckte gut, aber das gibt noch keinen fetten Grund, hier dauerhaft zu verweilen. Diese und andere Nachkriegsarchitektur löste sich von ihren grausigen Vorgängern pathetischer Aufdringlichkeit, ohne ihre relative Formarmut je völlig verhehlen zu können. Dieser Formenschatz wandert in die Museen und Kataloge und das ist gut so. Für Gassmann wäre es indes ein barbarischer Akt, die Beethovenhalle dem Festspielhaus Beethoven zu opfern. In jeder Kultur steckt Barbarei. Anders kann sie sich nicht konstituieren. Diese älteste Dialektik des Denkmalschutzes, dieser Kampf zwischen Erhaltenswürdigem und der „Demolition“ ist nicht dadurch auflösbar, dass der Kritiker großzügig das Label „Barbarei“ verhängt. Denn diese Markierung ist nicht nur im vorbezeichneten Sinne kategorisch schwach, sondern könnte, man erinnere sich für eine aufklärerische Sekunde an Adornos Wortgebrauch, für wirklich schändliche Taten reserviert werden. Wenn unsere, damaligen Maßstäben folgend, gelungene „Eisdiele“ verschwindet, ist das kein Freudenakt, aber wir werden es verschmerzen. Das Lebensgefühl dieser Tage, das Siegfried Wolske Architektur werden ließ, ist nicht so unvergänglich, dass wir nun weinen müssten. Das alte Paris bot bestimmt größere Schätze. Ist es nicht von eigener ästhetischer Erhabenheit, gerade in Zeiten des Speicherwahns, Dinge vergehen zu sehen und nur noch ihre Spuren zu konservieren? Erinnerungen, die aus solchen Relikten entstehen, sind die besten. Erst jetzt, im Moment des Falls, glaubt man eine Schönheit beschwören zu müssen, die längst dahin ist, wenn sie denn je existiert haben sollte. Farewell. Oder sind die Entscheidungen von Denkmalschützern selbst denkmalgeschützt?

Goedart Palm

3/28/2010

Chaos Traffic Cologne - Painting Goedart Palm

Neulich auf der Höhe von Wesseling...


Dead End - Gefährliche Bahnstrecke

Mittelrheinbahn - Transregio und der Verlust der Bequemlichkeit


"Schöner fahren" wirbt die Mittelrheinbahn. Das ist unwahr! Man fährt beengt, Zeitungen kann man nicht mal vernünftig aufklappen, die Knie stoßen ab einer gewissen Größe des Fahrgastes (wir reden nicht von Riesen!) an den Sitz. Über Thrombose-Gefährdungen mag spekuliert werden. Mir ist in Dekaden des Fahrens mit öffentlichen Verkehrsmitteln nie ein beengteres Gefährt begegnet. Wann werden diese schwer erträglichen Bahnen wieder aus dem Verkehr gezogen?

Goedart Palm

Premium-Inhalte Online? Alpha-Journalismus bezahlen?

Herausgeber, die glauben, sie könnten ihre mehr oder weniger intelligenten Meinungsaufgüsse als Online-Premium-Gehalte verkaufen, täuschen sich gewaltig. Denn der Journalismus lebte immer von seiner uneingestandenen Funktion des Entertainment. Gibt es das in vielfältiger Weise auch anderswo, bezahlt niemand für diese - im Übrigen ohnehin antiquierte - Form der Unterhaltung.

Goedart Palm

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3/25/2010

Rambo gegen den Terror ziviler Wahrnehmung

Rambo (I) verwechselt die Konditionen, zu denen in verschiedenen Gesellschaften mit verschiedener Währung gespielt wird. Rambo will es allen mit gleicher Münze heimzahlen. Das führt zwangsläufig zu Verhaltensauffälligkeiten. Rambo akzeptiert nicht, dass die Helden von Vietnam die Penner von Amerika sind. Das Vietnam-Szenario mit den guten „Kumpels“ ist so tief in seine traumatische Struktur eingebrannt, dass die Enttäuschung nun „Amerika“ selbst ist. Amerika feiert nicht seine Söhne, sondern stellt sie zurück an den Platz, wo sie hingehören. Das ist für Helden nicht verkraftbar. Rambo reklamiert Ruhm und Ehre. Um das unter Beweis zu stellen, kommt es zu einer Wiederaufführung Vietnams. Alles brennt so wie damals. Der Geruch von Napalm durchweht zwar nicht die kalten Wälder (im Film in British Columbia, doch es ist natürlich ein bodenständiges amerikanisches Mentalitätsgelände: Erewhon), doch sonst ist es wie damals. Das Paradox, dass die potentiellen Mitstreiter von damals nun „Charlie sind“, stört nicht mehr, wenn die Waffen sprechen und die Inszenierungsvorteile die Wirklichkeit übertreffen. Ein „arbiter elegantiarium“, Rambos vormaliger Colonel, läuft herum und erläutert den tumb agierenden Kleinstadt-Faschos die unerreichte Klasse Rambos und bedauert seine zahllosen Gegner, die chancenlos bleiben. Es geht um eine Entzweiung der Wahrnehmung, die Rambo verweigert, wobei ihm praktisch die gesamte Inszenierungslast, von einigen mittelprächtig widerlichen Cops abgesehen, aufgebürdet wird.

Goedart Palm

3/19/2010

Raffinessen der Reproduktion

Wider die Diktatur des Originals

Goedart Palm über Wolfgang Ullrich
gelungene Übung vor Reproduktionen: »Raffinierte Kunst«.

Beglückwünscht die Nachbarin die stolze Mutter: „Was für ein schönes Baby!“ Daraufhin strahlt die Mutter: „Ja und Sie sollten erst mal die Fotos sehen“. Dieser Mini-Sketch könnte dem Werk „Raffinierte Kunst - Übung vor Reproduktionen“ von Wolfgang Ullrich leitmotivisch vorangestellt werden. Zugerechnet wird diese Mini-Epiphanie der Medienkritikerin Susan Sontag. Tatsächlich stammt sie aber von Daniel J. Boorstin, der schon 1961 in "Das Image" postmodern vorwegnahm, dass wir die "lebendigere Kopie'" dem Original vorziehen: „Der Schatten ist die Substanz geworden.“ Wolfgang Ullrich, dessen Werk für den Sachbuch-Preis der Leipziger Buchmesse 2010 nominiert war, fasst seinen Anspruch dagegen so zusammen: „Da Reproduktionen mehr bieten können als das, was reproduziert wird, sollen sie es auch tun.“ Auch wenn Reproduktionen einschließlich der überquellenden Herrlichkeiten auf unseren Festplatten zum alltäglichsten Stoff geworden sind, ist diese Umwertung der Werte, diese Verkehrung der Rangordnungen immer noch eine Provokation. Gelingt sie?

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Zur Premiere: IN MARMOR von Marina Carr


Inszenierung: Klaus Weise
Donnerstag, 18. März, Kammerspiele Bonn

Das Paradox der Selbstverwirklichung: Wer beginnt über das wahre Leben zu reflektieren, verfehlt es bereits. Zumindest gilt das für die holistischen Konzepte von Persönlichkeiten, die mit sich eins (sind das nicht bereits zwei?) jenseits des Welt- und Selbstzweifels leben. Das mag idealistisch plausibel sein, hat aber nichts mit den Widrigkeiten der „conditio humana“ zu tun, die nur als fatale Verstrickung des Selbst mit der Welt gelten kann. Die Marmor-Träume sind die Kehrseite dieser Gier nach Selbstverwirklichung, die nie zur Ruhe kommt, weil sie im falschen Modus arbeitet. Uneingelöste Träume perforieren die ohnehin angeschlagene Wirklichkeit, während doch die wahre Selbstverwirklichung wäre, sich von diesen Träumen loszusagen. Denn der Traumpartner ist so ungeeignet wie der reale Ehepartner, ja mehr: die eigene Identität kann den selbstreflexiven Schleifen in der paranoid-kritischen Traumrevision nicht entrinnen. Die multiple Existenz unvereinbarer Wunschkonstruktionen lässt vollendete Geschichten nicht einmal als Flucht aus der Wüste des Alltags zu. „IN MARMOR“ ist keine psychologische oder euro-ethnologische Geschichte, die Figuren Marina Carrs sind Statisten eines falschen Persönlichkeitskonzepts, freilich eines, das mit solcher Macht in unsere Hirne massiert wurde, dass es sich als natürlich ausweisen möchte. Der Zwang zur Selbstverwirklichung ist ein perfides double-bind, das eifrig medial genährt wird. Wer sich vom Terror der Authentizität respektive des authentischen Lebens frei machen will, wird diese Identitätsform eines sich mit sich selbst einigen „Ichs“ allenfalls als selten gewährtes Mini-Sartori genießen. Weder die Apologeten des Bestehenden, der Familie, des Alltags etc. noch die erregten bis hysterischen AusbrecherInnen sind brauchbare Modelle. Wenn es also menschlich ist, sich nicht mit selbst zu identifizieren, so paradox das sein mag, ist es mindestens ebenso klug, Theaterfiguren nicht mit realen zu verwechseln. Irgendwann begreift eine der Figuren Carrs nämlich, dass die Sprache und schon gar nicht die mit selbstischen Interessen verkoppelte Rede je etwas anderes kann, als sich über sich selbst – gründlich und folgenreich - zu täuschen.

P.S. Vielleicht hätte die einfühlsame Lichtregie die Ambivalenz des Marmors in seiner Härte und Unschuld schockhaft in das Bühnenbild einführen sollen. Im Übrigen ist die Inszenierung von Klaus Weise aber sehr plausibel.

Goedart Palm

3/13/2010

3/10/2010

Bonn Festspielhaus Beethoven

Wer möchte nicht an einer aufregenden Kulturdiskussion dieser Tage teilhaben um das schönste aller Festspielhäuser, das wenigstens in der Imagination - vor der Kostenfalle und dem Bauskandal - keine Grenzen kennen will. Jedenfalls gibt es zu denken, dass zwar das Festspielhaus weiterhin ein Großthema bleibt, während das "Haus der Bildung" im Juni 2009 auf einmal Finanzierungsprobleme aufwirft. Vor dem Bau eines Festspielhauses zu Ehren Beethovens respektive der Stadt steht der unendliche Diskurs, der - wer hätte es auch anders vermutet - selbst ein "Pseudo-Ereignis" (Boorstin) geworden ist und auch dann, wenn alle Argumente längst ausgetauscht sind, hartnäckig weitergeführt wird. Die Regel, dass nur das entschieden werden kann (und muss), was nicht (argumentativ) entschieden werden kann, hindert diese Selbstbezüglichkeiten der Diskussion nicht. Kultur ist also hier wie so oft das Gespräch darüber.

Festspielhäuser sind - medial betracht - anachronistisch. Musik hören per Kopfhörer nebst Internet ist "state of the art". Wer Festspielhäuser baut, will die Festgesellschaft, die gute, gleichermaßen sedierte wie saturierte Gesellschaft, als Kulturträger. Kurzum, es geht um Kultur, Aufmerksamkeit und Geld in diversen Mischungsverhältnissen. Es ist nicht zu menetekeln, dass auch die "kids" ohne ADS kein dankbares Publikum sein könnten. In der Zeit der knappen Kassen wird die Kunst ohnehin noch mehr Federn lassen. Doch die Transformation der Kulturrezeption ist langfristig entscheidend. Wir werden virtuelle Festspielhäuser erleben, die auf Festplatten respektive Cybernarien entstehen. Dann entscheidet jeder selbst, wie sein Festspielhaus aussieht. Medientheoretisch bis -hypothetisch ist ein Festspielhaus eine gewagte Entscheidung, die nicht dadurch an Risiko verliert, weil Kulturbeflissene hier in einen alten Wichtigkeitsgestus zurückfallen, den wir für obsolet hielten. 

In den siebziger Jahren wollten wir doch alle angestrengt und politisch voll korrekt bis demokratietrunken weg von der Herrschafts- und Repräsentationskultur. Hier geht es zuvörderst um Repräsentationskultur, was nicht per se falsch sein muss, aber die ständige Rede von der Partizipation der Bürger so durchschaubar sein lässt.

Wer jetzt ein „Festspielhaus“ für eine richtige oder gar notwendige Entscheidung hält, mag überlegen, welche Bedeutung solche Architektur gewordenen Nobilitierungen für die Kultur haben. Wäre in Zeiten wirtschaftlicher Krisen eine Bescheidenheitskultur angemessener? Oder sind ganz im Gegenteil Stimmungswirtschaften und - demokratien von solchen Zeichen äußeren Wohlstands abhängig, um wieder Vertrauen in eine blinzelnde Zukunft zu schöpfen? Wir wissen es nicht. Kultur braucht äußere Zeichen, zumindest für Menschen mit fragiler Rezeptivität. Jenseits der kulturbeflissenen Dax-Unternehmen, die gegenwärtig eine priore Rolle spielen, wird der Kulturkampf bei den Abos und an der Abendkasse entschieden. Ohnehin zielt Kulturpolitik bei diesem „Jahrhundertprojekt“ darauf, gesellschaftliche Räume zu entwerfen, die beanspruchen, eine konsensuelle Rezeption zu fördern. Die gute Festgemeinschaft, das Fähnlein der sieben und mehr Aufrechten. Vor Jahren gab es vorgeblich den „Treffpunkt Kino“, was indes schon deshalb nicht funktionierte, weil man sich nicht verbünden kann, um einen Film gemeinsam zu sehen und zu verstehen. Wer heute eine Pause nutzt, um das Konzertpublikum in Bonn und sonst wo zu beobachten, wird keine übertriebenen Vorstellungen vom Rezeptionsniveau der Opern- und Konzertbesucher entwickeln. Muss auch nicht sein, Kultur funktioniert auch jenseits des Pathos. Adornos struktureller Hörer, der alles weiß und dabei auch noch Genuss empfindet, ist eher ein theoretisch-moralisches Konstrukt als das „Desiderat“ einer Kulturgesellschaft. 

Kurzum, Festspielhaus, Pützchens Markt und Karneval gehören in der Perspektive von Politik und Geschäftswelt alle irgendwie zusammen, ästhetische Differenzierungen sind die Glasur, wenn überhaupt.  Allerdings gibt es noch mehr „Jahrhundertprojekte“ für Bonn, die wir nicht geringer schätzen würden als ein opulentes ästhetisches Spectaculum wie das „Festspielhaus“. Beispielsweise: Pünktlich operierende Buslinien im ganzen Innenstadtbereich – auch das ein kühner Traum von erhabener Schönheit. Zwar für die direkte Außendarstellung einer Stadt weniger geeignet, aber doch dauerhafter in den solidarischen Effekten ... Stay tuned!

3/09/2010

Boorstin

Entfernt man Pseudo-Ereignisse und diesen verbundene Meinungen aus dem Medien-Salat, würde das Selbstverständnis der (demokratischen) Informationsgesellschaft kollabieren. Indes: Niemand in Sicht, der das leisten könnte.

Goedart Palm

3/03/2010

Kultur und Barbarei - oder die Lehre des Festspielhauses Bonn

Dass der Abriss der Beethovenalle ein barbarischer Akt sei, behauptet Michael Gassmann. Abgesehen von der polemischen Begrifflichkeit - wir kennen das bereits: Sozialismus oder Barbarei etc. - ist mitunter Barbarei unabdingbar, um Neues zuzulassen. Kulturgeschichte lässt sich in einem kollusiven Sinne nicht von Barbarei trennen. Erinnern wir uns an Walter Benjamins berühmten Aphorismus: "Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein. Und wie es selbst nicht frei ist von Barbarei, so ist es auch der Prozeß der Überlieferung nicht, in der es von dem einen an den anderen gefallen ist."

Klanggrund - Skizze



Eine Skizze von Goedart Palm

Passagenwerk - Walter Benjamin - Goedart Palm



Denker zwischen Saturn und Mickey Mouse

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