6/08/2012

Aladin Teppich Niebel

Ob nun der Teppich fliegt oder eher Niebel, wird sich noch erweisen. Aber Vertrauen in diese Art von Amtsgebrauch vermag ich nicht zu entwickeln. Die viel monierte Einstellungspraxis des Ministeriums rundet das Bild bzw. den Geschmack ab. Interessant für das Politikverständnis der Bundesrepublik Deutschland wird nun die Frage sein, ob das skandallogisch schwerer oder leichter als ein Plagiat wiegt. Die unmittelbare Verschaffung eines Vorteils im Amt scheint mir der gravierendere Vorgang zu sein, zumal über Bagatellgrenzen im Gesetz m.E. hier nichts gesagt ist.  Zur Kontrolle: Man überlege, wie man diesen Vorgang nennt, wenn es kein Minister gewesen wäre. Wer hat eigentlich den Teppich geknüpft? Wie teuer wäre der Teppich hier gewesen? Diese Einfuhrpolitik ist untragbar.

Goedart Palm

Bad Godesberg nachts um halb eins...Teil II

Heute präsentiert der GA das Thema erneut ausführlich. Klar ist: Law and Order ist zu wenig, aber manchmal ein guter Anfang. Sozialstrukturen verändert niemand von heute auf morgen. Vitale Wohn-, Rekreations- und Einkaufszonen sind unter den bestehenden Bedingungen allenfalls langfristig zu verändern. Immerhin mag man darüber nachdenken, dass Toleranzgrenzen frühzeitiger aufgezeigt werden müssen.

Denn letztlich ist das Schema immer gleich: Erst sind es Kleinigkeiten, Flegelhaftigkeiten, Ungezogenheiten hier und da und dort. Das Klima verschärft sich schleichend, weil offenbar Sanktionen Mangelware sind. Dein MP3-Player unterhält den ganzen Bus, du legst die Füße auf den Sitz und trinkst dein Bier. Wer sagt schon was? Zivilcourage ist ohnehin ein Fremdwort geworden. Freilich aus guten Gründen: Wer lässt sich schon gerne verprügeln, wenn er weiß, dass bestenfalls irgendwer die Polizei per Handy kontaktiert - die dann wahrscheinlich in mehr oder weniger großem zeitlichen Abstand erscheint. Aber warum sollte Bonn, der schönen Stadt am Rhein, gelingen, was anderenorts auch nicht gelungen ist.

Goedart Palm

Design oder Nichtsein

Das bleibt ständig die Frage. Design war ehedem ein Aufmerksamkeitsinstrument. In der Folge verwechselte man es mit Kommunikation. Schließlich wurde es zum Selbstzweck. Design statt Inhalt. Das war die (geheime) Devise. Wir wünschen uns die Wiederauferstehung von Adolf Loos. Möge Design wenn nicht als Verbrechen, so doch zumindest als Ordnungswidrigkeit oder Belästigung angesehen werden. Wenn eine Ausstellung stattfindet, möchte ich die "Zugangsdaten". Ich möchte nicht diesen elendigen Schnickschnack, der keine Attraktion bewirbt, sondern eine Distraktion ist. Verschont mit mit dem bunten Dreck, den Ihr über jedes Plakat, jeden Flyer etc. schüttet. Mir wären lesbare Lettern und ein klarer Inhalt eine echte Gottesgabe. Aber vermutlich sind wir längst nicht da angelangt.

Goedart Palm

6/07/2012

Museumsmeilenfest 2012


In Seven Days Time - Katharina Grosse Revisited

Nun gut, Wahrnehmungskonventionen zu durchbrechen, ist ein inzwischen nicht mehr allzu provokativer Standard. Um überhaupt anzugeben, was denn bei diesem Durchbruch passiert, müsste zunächst die Konventionalität der Wahrnehmung beschrieben werden. Ist Wahrnehmung überhaupt konventionell? Wer buntes Chaos oder bunten Zufall im "öffentlichen Raum" zulässt, stört noch längst keine Wahrnehmung. Jedenfalls meine nicht!

Längst rechnen wir doch mit urbanen Monstren, die mehr oder weniger lustvoll uns an der nächsten Ecke begegnen. Kunst ist keine Überraschung, zum wenigsten dann, wenn eben diese Überraschung andauernd von Kunstvermittlern beschworen wird. Wie sollte ich den ernst nehmen, der mir ein Kunstwerk erklärt und dabei sagt, dass es überraschend sei. Das ist geradewegs das double-bind der Kunstvermittlung, gegen das aus nachvollziehbaren Gründen Künstler nicht protestieren. "Zufall" als Kunstprinzip ist so lange langweilig, bis daraus eine Struktur entsteht, die sich auf mehr als Durchbrechung von Konventionen berufen kann.

Insofern kann sich die Kunst so demokratisch gerieren wie sie will, letztlich endet sie in einer Hierarchie der Formen und Bedeutungen. Gottlob, schon bald kommt eine andere KünstlerIn, die wiederum Wahrnehmungskonventionen durchbricht - ad infinitum. Es beruhigt ungemein, dass diese Konventionen in eben dem Maße nachwachsen, in dem sie dann durchbrochen werden dürfen. Im Prinzip müssten Künstler eine Sozialabgabe leisten an jene, die ihre Sehgewohnheiten wie Festungen verteidigen. Künstler werden jedenfalls nicht arbeitslos, so lange wir uns nur konventionell genug verhalten. Anderenfalls würde das Kunstsystem kollabieren, was geradewegs tragisch wäre für alle jene, die ihr Leben daran gehängt haben.

Goedart Palm

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